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Das Atomkraftwerk MOCHOVCE 3 und 4

Präsentation bei der Konferenz NEC vom 5.4.2016 in Prag.

Pavol Široký

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Gleichartige Begründungen für die Errichtung von MO 1+2 und MO 3+4

  • Das Argument der Regierung von Meciar, den 1.und 2.Block in Mochovce zu errichten, war der Bedarf des Ersatzes für das geschlossene AKW V1 in Jaslovske Bohunice. Die ersten zwei Blöcke in Mochovce sind seit 1998 in Betrieb.
  • Das Argument der Regierung von Fico den 3. und 4. Block in Mochovce fertig zu bauen, war ebenfalls der Bedarf des Ersatzes für AKW V1 in J.Bohunice.

Zur Geschichte von Mochovce 3+4

1987 Baustart

1992 Einstellung des Baus und 1993 Beginn der Konservierungsarbeiten

2008:

15.7. –unsichere Stellungnahme der Europäischen Kommission zum Projekt der Fertigstellung des Atomkraftwerkes Mochovce 3+4

14.8. – Entscheidung der slowakischen Atomaufsichtsbehörde, die Änderungen des Startprojekts zu genehmigen. Verlängerung der Baugenehmigung für Mochovce 3+4 bis zum 31.12.2013.

der Bau war 2008 bereits zu 70% fertig, die Einrichtung zu 30%.

3.11. – „Feierliche“ Eröffnung der Fertigstellung von Mochovce 3+4

2009

Start der Arbeiten am Ausbau des AKW Mochovce 3+4

16.2. – Das UVP – Vorhaben für den Betrieb des AKW Mochovce 3+4 wird dem slowakischen Umweltministerium vorgelegt (Start des UVP – Prozesses – Einwendungen zum Projekt von der Öffentlichkeit)

JuniUnterzeichnung der Verträge mit den Lieferanten für den atomaren Teil des Kraftwerkes (Firmen: ŠKODA JS, Atomenergostroj, VÚJE, ENSECO, Inžinierske stavby Košice)

2012 geplanter Betriebsstart von MO 3 – aktueller Betriebsstart MO 3 erst im Jahr 2017!

2013 geplanter Betriebsstart von MO 4 – aktueller Betriebsstart MO 4 erst im Jahr 2018!

Gesellschaftliche Probleme des Projekts Mochovce 3+4

  • UVP – Prozess wurde nach einem mehr als einjährigen Druck der NGOs gestartet – Klage wegen der fehlenden UVP- Prozedur.
  • Minimale Informationen an die Öffentlichkeit
  • Irreführende Informationen an die Öffentlichkeit: Mochovce 3+4 habe ein Containment!„Mochovce 3 + 4 ist mit dem System des Containments mit vollem Umfang- im Einklang mit den Anforderungen der IAAE und WENRA“
  • Im August 2008 wurde die Baugenehmigung verlängert (2012, 2013) – ohne Beendigung der UVP- Prozedurdie wurde erst im Februar 2009 beendet.

Kostenexplosion des Projektes Mochovce 3+4

  • Noch im September 2008 waren es 1,8 Mrd. €, im Jahre 2015 bereits 4,6 Mrd. €!
  • Nicht ausreichende Gebühren in den Nationalen Atomfonds, dank denen man argumentieren kann, dass der Strompreis aus dem AKW Mochovce niedrig ist (die Gebühren sollten minimal 3mal höher sein) – auch trotzdem werden sie aber minimal 100 € /MWh benötigen.
  • Zu niedrige Haftung des AKW- Betreibers für die Atomschäden
  • Das Projekt des AKW Mochovce löst nicht unsere Abhängigkeit vom Import der Energiequellen

Vielfältige Sicherheitsprobleme des Projektes Mochovce 3+4

  • Der geplante Bau des Atomkraftwerks Mochovce 3+4 kann das Sicherheitsniveau der neuen Reaktoren nicht nachholen. Die Grundkonstruktion erlaubt nicht eine volle Anpassung an den heutigen Stand der Technik und Wissenschaft. Möglichkeiten der Verbesserung sind eingeschränkt. Es ist kaum zu glauben, dass eine 40 Jahre alte Technologie für eine moderne und hochwertige Technologie gehalten werden kann. Nicht einmal neue Einrichtungen können die Grundtechnologie und die Sicherheitsmaßnahmen im Projekt verändern.
  • Das Problem der Entsorgung des abgebrannten Kernbrennstoffs ist nicht gelöst.
  • Fehlendes Containment
  • Unfähigkeit des Projektes, dem Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs zu widerstehen
  • Nicht bewiesene Widerstandsfähigkeit des Barbotage – Systems bei maximalem projektierten Druckunterschied
  • Risiko des Verlustes der Integrität des Reaktordruckbehälters oder der Dampfgenerator – Rohrleitung

Betriebsprobleme des Projektes des AKW Mochovce 3+4

  • Bedarf großer Reservequellen – jeder Reaktor in der Slowakei ist 2-3 Monate im Jahr außer Betrieb (Reparaturen, Störfälle, Brennstoffwechsel)
  • Regulation der Leistung ist nicht möglich (100% oder 0%)
  • Zu niedriger Wirkungsgrad – 30%
  • Zentralisierte Energiequellehohe Verluste im Netz
  • Im Falle des Ausfalles eines Reaktors muss man bis zu 10% des Stromverbrauchs im Land ersetzen
  • Zu hoher Anteil an einer Energiequellederzeit mehr als 54%, nach dem Ausbau von Mochovce 75% = nicht ausgeglichenes System, Gefährdung der Energiesicherheit des Landes.

Der Feuerschutz orientiert sich an der Sicherstellung des Brandes und an dem Löschungsvorgang, aber nicht auf die Beseitigung der möglichen Ursachen.

  • Bei den Reaktoren VVER 440/V213 ist die laufende Trennung der Kabeln und der Leitung der Redundant – Systeme nicht gesichert. Die nicht ausreichende Bautrennung der Redundant – Systeme kann man nachträglich nicht ausreichend nachbessern

Erdbebenschutz

Beim ursprünglichen Projekt von VVER 440/V213 wurde das Erdbeben gar nicht berücksichtigt. Die Sicherheitssysteme sollen dem sog. 10.000-jährigen Erdbeben widerstehen.

Beim AKW Paks und AKW Bohunice V2 führte die Kontrolle der Erdbebengefahr zum Schluss, dass anti-seismische Maßnahmen notwendig sind, da für das Erdbeben eine maximale horizontale Beschleunigung von 0,25 g (IAEA 1999) vorausgesetzt werden muss.

Das AKW Mochovce 1+2 wurde ursprünglich für das Erdbeben der 4.Stufe und für die horizontale Beschleunigung von 0,06g projektiert. Nach der Überprüfung der Seismik wurden als Grundlage für das Projekt das Erdbeben der 7.Stufe und die maximale Beschleunigung von 0,1g angenommen.

Seismisches Upgrade in Mochovce 3+4 ist laut SE, AG auf 0,15 g deklariert.

Confinement als Risiko

VVER 440/V213 hat kein Volldruck – Containment.

Confinement (Sicherheitsverschluss) VVER 440/V213 besteht aus Boxen, die wichtige Komponenten des primären Kreislaufs umschließen. Die Isolierung des radioaktiven Dampfs, der bei schwerwiegenden Störfällen entweicht, ist bei VVER 440/123 nicht mit einem Außenmantel verschlossen, der Dampf muss aber mit Hilfe des speziellen Systems kondensiert werden. Bei der Druckreduzierung könnte das Confinement springen, womit die radioaktiven Partikel in die Umwelt kämen. Nach der Durchführung von Analysen und nach mechanischer Verstärkung des Barbotage – Systems konnte die Funktionsfähigkeit des Systems bewiesen werden, aber nur im Falle von Projekthavarien. Die Wirksamkeit des Systems der Druckreduzierung bei schweren GAUs wurde jedoch nicht ausreichend bewiesen.

Erhöhung der Leistung– sowohl in Mochovce 1+2, als auch in Mochovce 3+4 ist die Steigerung auf 107% der ursprünglichen Leistung möglich.

Unter anderem ändern sich mit der Steigerung der Leistung das Inventar der radioaktiven Partikel und die radiologischen Auswirkungen. Es erschöpfen sich die Sicherheitsreserven und der Prozess der Alterung der Einrichtung beschleunigt sich. Das Risiko, das mit dem Betrieb der Anlage mit solch einer Steigerung der Leistung verbunden ist, erhöht sich.

Erhöhung der Ausbrennung

Erhöhung der Wirtschaftlichkeit des Atomkraftwerkes – eine längere Zeit der Einsetzung der Brennstäbe. Bedingung – eine höhere Anreicherung der Brennstäbe.

Hohe Ausbrennung (von 50 MWd/kg) = Verstärkung der Korrosion der Bezugsröhre der Brennstäbe + größere Austritte der Gasspaltprodukte aus den Brennstofftabletten (NEA 2002). Die Veränderungen können zur Beeinflussung der Möglichkeit der Kühlung der aktiven Zone im Falle eines Störfalls führen.

Reduzierung der Proben und der Revisionszeit

Eine höhere Disponibilität bedeutet einen höheren Gewinn, das heißt eine kürzere Zeit für die Revision der Reaktoren. Zu diesem Zweck werden neue Technologien eingesetzt und die Proben, die vorher während der Revision der Einrichtung verlaufen sind, verschieben sich jetzt in die Betriebszeit bei laufender Reaktorleistung.

Die Sicherheit wird bei den Proben am besten gesichert, wenn der Reaktor außer Betrieb ist. Wenn die Proben während des Betriebs durchgeführt werden, sollte gesichert werden, dass die Betriebssicherheit dadurch nicht sinkt. Vor allem sollten die Reparaturen der Defekte nicht gefährdet werden. Die Verschiebung der Proben in den Leistungsbetrieb stellt eine Steigerung des Betriebsrisikos dar.

Jetziger Zustand: Das Intervall der Proben des Reaktordruckbehälters in Mochovce 1+2 und in Bohunice V2 beträgt 4 Jahre. Für Mochovce 3+4 plant man, das Intervall dieser Proben auf 8 Jahre zu bestimmen.

Verlängerung des Betriebs.

Ursprünglich bei VVER 440ÜV213 – 30 Jahre. Wenn jemand beim Projekt des AKW Mochovce 3+4 einen 40-jährigen oder sogar 60-jährigen Betrieb durchsetzen will, müssen von Anfang an andere Anforderungen an das Material, auf die Widerstandsfähigkeit der Einrichtung, aber auch auf die Dokumentation gesetzt werden.

Die Erhöhung der Leistung führt zu einer beschleunigten Alterung der Einrichtung.

Die Kombination der Verlängerung der Betriebszeit und der Leistungssteigerung kann vielleicht den Betrieb ökonomisch attraktiver machen, aber in den meisten Fällen erhöht sie das Betriebsrisiko.

Die Komponenten, die in den Lagern Mochovce 3+4 gelagert sind, weisen einen besseren Zustand aus als die bereits installierten Komponenten (AQUILANTI 2007). Die Alterung von Mochovce 3+4 fing also schon vor dem Betriebsstart an. Mochovce 3+4 hat beweisbar eine Reihe von Sicherheitsmängeln, die projektbedingt sind. Die sollen durch Modernisierungsmaßnahmen beseitigt werden. Das gelingt aber nicht und es ist nicht möglich, sie unabhängig zu überprüfen, was ein großes Problem des Projektes Mochovce 3+4 ist.

Komplizierung der Beteiligung der Öffentlichkeit

  • August 2013: Das Oberste Gericht der Slowakischen Republik löste die Entscheidung der slowakischen Atomaufsichtsbehörde auf, aufgrund deren der Bau des 3.und 4. Blocks des Atomkraftwerkes Mochovce realisiert wird. Die slowakische Atomaufsichtsbehörde handelte gesetzwidrig, als sie die NGOs als Teilnehmer am Verfahren ausgeschlossen hat.
  • Das Oberste Gericht konstatierte auch, dass die Durchführung der UVP – Prozedur notwendig sein wird. Das Genehmigungsverfahren sollte sich wiederholen.
  • Die Arbeiten am Ausbau des AKW Mochovce sollten gestoppt werden.
  • Die slowakische Atomaufsichtsbehörde startete einen neuen Genehmigungsprozess, aber gleichzeitig gab sie am 21.8.2013 die Entscheidung über den Ausschluss der aufschiebenden Wirkung heraus, mit der sie sicherstellen wollte, dass der Ausbau des AKW Mochovce während des neu geöffneten Genehmigungsverfahrens weiter laufen kann.

Nullzugang zu Informationen

  • Die slowakische Atomaufsichtsbehörde hat eine Dokumentation veröffentlicht, aufgrund deren es nicht möglich ist, sich zu der Sicherheit, Qualität des Projektes und zum möglichen Einfluss auf die Umwelt zu äußern.
  • Die meisten wichtigen Texte wurden gar nicht veröffentlicht oder wurden geschwärzt. Das betraf sogar auch Informationen, die man aus anderen öffentlich zugänglichen Quellen gewinnen kann.
  • Die Behörde hielt auch die Informationen über den Umgang mit den radioaktiven Abfällen geheim. Dabei sind die radioaktiven Abfälle ein direkter Output aus der Anlage, die bekannt sein müssen, damit es möglich ist, die Umwelteinflüsse beurteilen zu können.
  • Die derzeitige slowakische Legislative (Regelung aus dem Jahr 2010 – Atomgesetz und Gesetz über den Zugang zu Informationen) ermöglicht der slowakischen Atomaufsichtsbehörde, de facto alles geheim zu halten, was sie sich wünscht. Das steht im Widerspruch zur Aarhus – Konvention.

Die Mochovce – Posse lässt aber ernste Sorgen wegen der Sicherheit dieses Atomkraftwerkes aufkommen, wenn die Staatskontrollbehörde auf diese absurde Art und Weise den Zugang der Öffentlichkeit zu Informationen über die Qualität und über den Einfluss des AKW Mochovce 3+4 auf die Umwelt blockiert und die Beteiligung der Öffentlichkeit am Genehmigungsprozess verhindert.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.