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Wohin die Frage der Stromversorgung das Staatsschiff treibt – I

Bulgarische Strompolitik: verdeckte Machenschaften

Dr Georgi Kaschiev – Juli 2017

http://www.faktor.bg/bg/articles/mneniya/lacheni-tsarvuli/nakade-darpa-darzhavniyat-korab-elektroenergetikata

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Bekannte Gesichter an neuer Stelle

Unter dem Deckmantel der Öffnung und Liberalisierung des Energiemarktes als propagiertem Ziel der offiziellen Politik bleibt das bulgarische Energiewesen in hohem Maße von russischen Interessen abhängig. Nur ein Beispiel: zum Vizeminister des Energieministeriums wurde jemand ernannt, der 2011 in Bezug auf das AKW-Projekt Belene wegen der Bevorzugung der Interessen Moskaus seiner Funktionen beim staatlichen Stromversorgungsbetrieb NEK [Natsionalna Elektricheska Kompania] enthoben wurde. Darüber hinaus wurden Belege für massive Interessenkonflikte publik – sowohl dieser Herr selbst als auch sein Sohn besaßen damals eigene Energieversorgungsbetriebe. Anscheinend ist diese Person nun Moskaus starker Mann, da sie als Vertreter der staatlichen Interessen bei Neftochim [Raffineriebetrieb im Besitz des russischen Konzerns Lukoil] eingesetzt wurde. Auf diesem Posten ist er der Nachfolger von Rumen Ovcharov, der als „Dirigent russischer Energieinteressen“ bezeichnet wurde. Es heißt, er beziehe das Gehalt für seine Arbeit bei Neftochim nicht aus Sofia. Man nimmt offensichtlich an, dass Moskau schon genug bezahlt. Diese Berufung zeigt ganz deutlich, dass es Interessen Russlands sind, welche bei der Energieversorgung konsequent berücksichtigt werden.

Was tatsächlich erreicht wurde

Die heute an der Macht befindlichen Politiker behaupten nun, dass sich die finanzielle Lage der staatlichen Energieversorger durch ihre Maßnahmen stabilisiert habe und im Begriff sei, sich positiv zu entwickeln. Die entsprechenden Zahlen für das Jahr 2016 zeichnen allerdings ein völlig anderes Bild.

Verluste steigen immer weiter

Nur ESO [Elektroenergien Systemen Operator, ein aus der staatlichen NEK ausgegliedertes Unternehmen, das für Betrieb und Instandhaltung des bulgarischen Stromnetzes sowie die Regelung des lokalen Strommarktes zuständig ist; Anmerkung des Übersetzers] weist – so wie üblich – einen Gewinn aus: 78 Mio Lewa (1 Lewa oder BGN ist ca 0,5 €).

Von der Regierung wurde bei NEK ein Reingewinn von mindestens 12 Mio Lewa erwartet. Abgeschlossen wurde aber mit einem Riesenverlust in der Höhe von mindestens 130 Mio Lewa (im Vergleich zu einem Minus von 34 Mio Lewa 2015), trotz Subventionszahlungen in der Höhe von 300 Mio Lewa durch den Fonds für eine sichere Stromversorgung SES. Ende 2016 hatte das Unternehmen Schulden in der Höhe von 4 Mia Lewa; es ist offensichtlich, dass eine Fortführung des Betriebs ohne eine finanzielle Unterstützung durch die Bulgarian Energy Holding BEH und den Staat nicht länger aufrecht erhalten werden könnte. Im Jahr 2016 stieg der Verlust des in Staatsbesitz befindlichen Kohlekraftwerks Maritza Ost 2 auf 90 Mio Lewa – eine Steigerung um 19 Mio verglichen zum Jahr 2015.

Im gleichen Zeitraum fiel der Stromexport auf 6,55 Mia kWh (von 10,56 Mia kWh im Jahr 2015) und schrumpfte bis zur Mitte 2017 um weitere 16% auf Grund eines erhöhten Stromangebots in der Region. Die regierenden Politiker versuchen, diesen Trend zu ignorieren und sprechen weiterhin von der Notwendigkeit, Bulgarien zu einem Energieversorgungszentrum für den Balkan zu machen und halten am Bau des AKW Belene fest.

All diese Fakten bezeugen die düsteren Verhältnisse im Bereich der bulgarischen Stromwirtschaft – sie sind völlig anders, als die Politik glauben machen will. Wie kann es auch anders sein, da die zentralen Probleme nicht gelöst sind: Liberalisierung, Manipulation von öffentlichen Ausschreibungen und Versteigerungen, Korruption, Lobbyismus, übertrieben teure Reparaturen, Diebstahl, die Beschäftigung von zu viel unnötigem Personal, die Bindung durch Langzeitverträge, der Appetit für Monsterprojekte und vieles mehr.


Wohin die Frage der Stromversorgung das Staatsschiff treibt – II

Das AKW Kosloduj und das staatliche Atomprogramm etwas genauer betrachtet:

Was kostet der dort produzierte Strom wirklich?

http://www.faktor.bg/bg/articles/mneniya/lacheni-tsarvuli/nakade-darpa-darzhavniyat-korab-elektroenergetikata

Im Jahr 2016 produzierte das AKW Kosloduj 2.8% mehr Strom als 2015. Die Einnahmen sanken jedoch, wohingegen die laufenden Kosten dramatisch anstiegen (im Wesentlichen auf Grund von extern zugekauften Leistungen). Der Reingewinn betrug lediglich 1.36 Mio Lewa (im Gegensatz zu 82.4 Mio Lewa im Jahr 2015). Für den Zeitraum von 2017 bis 2021 sind gewaltige Beträge vorgesehen (um die 800 Mio Lewa), um die Laufzeit der Blöcke 5 und 6 verlängern zu können. Dieser Betrag ist wenigstens doppelt so hoch wie die Aufwendungen für den Abschluss gleichartiger Arbeiten an Reaktoren des selben Typs in Russland.

Der „Reingewinn“ etwas genauer betrachtet

In Wirklichkeit sind die für 2015/2016 ausgewiesenen Profite allerdings reiner Schein, denn die dem Werk verpflichtend auferlegte behördliche Anweisung, alljährlich den Rücktransport von mindestens 50 Tonnen hochverstrahlter Metalle (HM) aus den abgebrannten Brennstäben zur Lagerung und Verarbeitung in Russland zu gewährleisten, wurde nicht erfüllt. Die Unterlassung geschah zweifellos mit der Billigung von Minister Petkova. In den Medien wurden lächerliche Erklärungen für diesen Regelverstoß kolportiert, beispielsweise ungünstige Wetterbedingungen oder auch Verzögerungen bei Tests und so weiter. 2015 und 2016 wurden vom AKW für abgebrannten Brennstoff Rücklagen in der Höhe von 29.94 Mio Lewa gebildet (diese Mittel entsprächen den besten Schätzungen, um einen adäquaten Betrag für die in der nächsten Abrechnungsperiode anfallenden Verpflichtungen abdecken zu können). Dieser Betrag ist aber angesichts eines Preises von 1054 Lewa für die Weiterverarbeitung von einem kg hochverstrahlten Metalls aus Brennstäben der alten Reaktoren im Jahr 2012 bei Weitem nicht ausreichend. Für 50 Tonnen sind mindestens 52.7 Mio Lewa von Nöten. Aber auch dieser Betrag ist absehbar nicht ausreichend, da die russische Seite für die Verarbeitung von Material aus den neueren Reaktoren einen wesentlich höheren Preis verlangt.

Bisher wurde noch keine Einigung erzielt, weswegen das Werk seit 2008 lediglich abgebrannten Brennstoff aus den alten Reaktoren verschickt. Mittlerweile sind allerdings keine Brennstäbe dieser Qualität mehr verfügbar, es muss nun der Abtransport des Kernbrennstoffs aus den neuen Reaktoren zu den neuen Preisen beginnen. Die international üblichen Preise für 1 kg TM bewegen sich in der Höhe von 1200 US$ pro kg, es hätten Rücklagen in der Höhe von wenigstens 110 Mio Lewa gebildet werden müssen. Somit haben sich beim AKW Kosloduj also mit Billigung von Minister Petkova im Jahr 2015/16 Verpflichtungen in einer Größenordnung von mindestens 160 Mio Lewa angehäuft, welche die Bilanzen der nächsten Jahre, Jahrzehnte oder sogar für kommende Generationen weiterhin belasten werden.

Eine versteckte Bürde für unsere Kinder

Die sich auftürmende finanzielle Gesamtlast für zukünftige Generationen ist aber noch viel höher. Das Problem besteht darin, dass die abgebrannten Brennelemente (oder der hochaktive Atommüll, der nach einer Wiederaufbereitung verbleibt) schlussendlich einem Endlager zugeführt werden muss. Dies hätte in einer nationalen Strategie des Brennelementmanagements geregelt werden müssen. Alle bisher erstellten Strategien, auch die unter Minister Petkova im Jahr 2015 aktualisierte, schweigen aber in diesem Punkt. Dies hat zur Folge, dass in den entsprechenden Berichten des AKW Kosloduj durchgängig festgehalten wird, das Werk könne die entstehenden Verpflichtungen für eine Endlagerung des Atommülls nicht beziffern und daher auch auch keine diesbezüglichen Rücklagen verbuchen.

Vorausgesetzt, dass ein Ort für ein derartiges Vorhaben überhaupt gefunden werden kann – wie viel würde der Bau eines Endlagers in Bulgarien wohl kosten? Für eine grobe Abschätzung können die Kostenpläne anderer Staaten (Finnland, Schweden, Frankreich, USA) heran gezogen werden. Wenn man den Umfang der jeweiligen Atomprogramme dieser Staaten berücksichtigt, ergibt sich für Bulgarien ein zu erwartender Aufwand in Höhe von 3 Milliarden €.

Indem der Mythos billigen Stroms aus AKWs aufrecht erhalten wird und alle Regierungen eine Debatte über ein Atommüll-Endlager weiter hinauszögern, wird die technisch schwierig zu lösende Aufgabe auf nachfolgende Generationen verschoben, ebenso die Beschaffung der gewaltigen finanziellen Ressourcen, die ein derartiges Vorhaben verschlingen wird. Diese Kosten werden jenen, die zur Beschaffung eines neuen Reaktors notwendig, sind, zumindest ebenbürtig sein.

 


Wohin die Frage der Stromversorgung das Staatsschiff treibt – III

AKW „Belene“ und kein Ende

Die Hoffnung auf das Erscheinen eines verlässlichen strategischen Investors für das AKW Belene ist vergebens

http://www.faktor.bg/bg/articles/mneniya/lacheni-tsarvuli/nakade-darpa-darzhavniyat-korab-elektroenergetikata

Stromverbrauch verzeichnet weitere Rückgänge

Das Team von BAS (der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften) kann nur schwerlich eine zutreffendere Einschätzung produzieren als die Experten der ESO (der bulgarischen Netzbetreiberfirma), für die derlei zum Kernbereich ihrer Arbeit zählt. Jedes Jahr erstellt die ESO einen Bericht, in dem die Stromproduktion und der Stromverbrauch für einen Zeitraum von 10 Jahren analysiert und prognostiziert wird. Dieser Report wird an CREW (Die Energie- und Wasserregulierungskommission) weitergeleitet. Doch selbst die ESO ist nicht in der Lage, den Elektrizitätsverbrauch korrekt vorherzusagen. Jahr für Jahr ist der tatsächliche Stromkonsum niedriger als der jeweils prognostizierte Minimalbedarf. Jedes Jahr aufs Neue kommt der ESO-Bericht zu dem Schluss, dass der Strombedarf bis Ende der analysierten Periode gedeckt ist und dass es großartige Chancen für einen Stromexport gäbe. Die Aussagen der ESO werden durch mehrere unabhängige Berichte von 2010 und 2011 unterstützt – Bulgarien hat keinerlei Verwendung für eine weitere Großanlage, die Grundlast zur Verfügung stellt. Gebraucht werden vielmehr Ausgleichskraftwerke (zum Beispiel Dampfkraftwerke (?) in den thermischen Kraftwerken Belene und Varna [Unklar, was mit Dampfkraftwerk gemeint sein soll. Durch den Einsatz zeitgemäßer Batterietechnik in Verbindung mit Erneuerbaren ist die Abdeckung von Spitzenlast aber technisch kein Problem mehr; Anmerkung des Übersetzers) und/oder die Einbindung großer Stromverbraucher, um eine Vermeidung von Verbrauchspitzen zu ermöglichen.

Keine Gnade für die Steuerzahler

Es scheint, als ob Regierung und Behörden langsam begreifen, welche gigantischen Kosten (mehr als 20 Mia Lewa) das Projekt des AKW Belene verursacht und welche Probleme die Umsetzung dieses Vorhabens mit sich bringt, namentlich den hohen Preis des dort erzeugten Stroms (8.5 Eurocent oder mehr). Dies führt aber nicht zu dem logischen Schluss, dass dieses Projekt endgültig zu streichen ist, es wird vielmehr darüber nachgedacht, wie die Kosten auf den Steuerzahler abgewälzt werden könnten. Es wurden erste Gespräche geführt, wie sich der Staat finanziell beteiligen könnte; der Staat hat freilich kein Geld, keine Bank würde die Finanzierung übernehmen. Es wurde die törichte Idee ins Spiel gebracht, den Strompreis durch Zahlungen aus dem SES-Fonds zu subventionieren, was unweigerlich massiven Widerstand in der Bevölkerung erzeugen wird. Es wurde auch vorgeschlagen, die Anlagewerte in einer eigenen Firma zu bündeln und zu privatisieren. Dies würde Monate, vielleicht auch Jahre sinnloser Vorarbeiten bedeuten, die Verschwendung von Millionen für Analysen, Prognoseerstellungen, Beraterverträge, die Aufrechterhaltung unnützer Verwaltungsstrukturen und dergleichen mehr.

Zurück und abwärts

Ich bin davon überzeugt, dass sich kein verlässlicher strategischer Partner, der als Investor für das AKW Belene fungiert, zu finden sein wird. Ich erinnere daran, dass alle Atomvorhaben der letzten zehn Jahre, sowohl in Europa als auch in den USA, von jahrelangen Verzögerungen und gewaltigen Kostenüberschreitungen gekennzeichnet waren, bis zu einer Höhe von 8 Milliarden US $ pro 1000 MW Einheit. Aus diesem Grund fiel der Wert von Areva-Aktien seit 2007 um über 70% und im März musste Westinghouse nach dem Auflaufen von 8.3 Mia $ an Verlusten, die beim Bau von 4 neuen Reaktoren in den USA entstanden waren, Konkurs anmelden [Areva musste durch den französischen Staat gerettet werden und ist nun Teil von EDF. Die Firma ist dabei, „umstrukturiert“ zu werden, die nicht mehr zu tilgenden Schulden werden wohl in einer ‚bad company‘ gebündelt. Anmerkung des Übersetzers]. Riesige Summen in AKW-Projekte zu investieren wurde also äußerst riskant. Selbst der russische Staatskonzern hat es abgelehnt, als Investor für das Projekt in Belene aufzutreten.

Sollte dennoch ein Investor Interesse zeigen, wird er sich schnell wieder zurückziehen, sobald ihm nähere Einzelheiten – wie etwa das Erdbebenrisiko – bewusst werden, nachdem er Fotos vom „Wasserloch“ gesehen hat, welches sich unter Block 1 gebildet hat, oder Bilder von den neuen Bauteilen, die bei Regen im Hafen von Belene abgekippt wurden, oder aber nachdem er von den Problemen bei der Umweltverträglichkeitsprüfung erfahren hat, den korrupten Praktiken der Regierung, der Geschichte des Projektmanagements, den Gründen für den Rückzug sämtlicher Investoren bisher, dem Fehlen von gut ausgebildeten Arbeitskräften. Sollte jemand das Abenteuer wagen, wird er mit Sicherheit nur einen Bruchteil der aktuell bereits aufgelaufenen Kosten übernehmen und eine langjährige Strompreisgarantie verlangen. Der Staat könnte dazu verpflichtet werden, das bestehende Elektrizitätsnetz zu modernisieren und den Anschluss des neuen Kraftwerk an eben dieses Netz zu ermöglichen (Kosten hierfür: laut einer Studie der ESO von 2009 (?) 1.33 Mia Lewa), neue Stromleitungen zu den Nachbarländern zu bauen, die Übernahme von Zahlungen nach einem potenziellen Störfall weitgehendst zu übernehmen, die Endlagerung des Atommülls zu bezahlen, usw. Wenn die Regierung derartige Bedingungen annimmt, bedeutet das einen Verrat am Staat.

Zusammenfassend: in der Frage der Stromversorgung befindet sich das Staatsschiff auf einer Fahrt im Rückwärtsgang, vielleicht auf einer Fahrt in die Tiefe.

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Die Atomindustrie in Bulgarien nach den Wahlen (engl.), 12.05.2017 von Todor Todorov


Analyse der Programme der bulgarischen Parteien in Hinblick auf „Atomenergie“ (engl.), im Vorfeld der Parlamentswahlen am 26/03/2017


 

Za Zemiata, 17.1.2017

Immer wieder von Neuem: AKW Belene

Wir möchten Ihnen hier die aktuellen Entwicklungen rund um das Projekt, ein AKW in Belene zu errichten, vorstellen, und werden auch auf die Pläne bezüglich der Laufzeitverlängerungen für Block 5 und 6 des AKW Kozloduy eingehen.

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Und immer auf‘s Neue: Belene

Ende 2016 bezahlte der staatliche bulgarische Elektrizitätskonzern NEC infolge einer Entscheidung durch die Schlichtungsstelle der Internationalen Handelskammer 620 Millionen Euro an Atomstroiexport. Dieser Betrag wurde für bestellte, aber nie bezahlte Bauteile des mittlerweile gestrichenen „AKWs Belene“ fällig. Entsprechend stiegen die aus dem Staatsbudget geleisteten Zahlungen auf 1,2 Milliarden Euro. Dies veranlasste die bulgarische Staatsanwaltschaft, gegen drei frühere Energieminister Verfahren wegen der Verletzung der Aufsichtspflicht einzuleiten. Die Anklagepunkte sind aber äußerst vage und allgemein formuliert, sie zielen nur drauf ab, Tätigkeit vorzutäuschen, es fehlt an glaubhaftem Interesse, die Verantwortlichen für dieses korrupte Vorhaben zur Rechenschaft zu ziehen und auch bestrafen zu wollen.

Die Atomlobby in Bulgarien hat ihren Druck erhöht und besteht darauf, dass die Anlage gebaut werden soll, da bereits ein derart immenser Betrag in das Unterfangen investiert worden sei. Dem Energieminister zufolge sollen wir die zwei russischen Reaktoren bis Ende April bekommen.

Im August wird darüber hinaus die Lieferung von zwei Turbinen für die Reaktorblöcke erwartet. Die Bauteile werden auf dem Gelände des AKW Belene konserviert und so lange eingelagert, bis der Bedarf an zusätzlicher Atomstromkapazität analysiert wurde und der Privatisierungsprozess beginnen kann. Dies wird dann allerdings eine Priorität der neuen Regierung darstellen, denn Anfang April stehen Parlamentswahlen an. Die Bauteile werden also auf dem Gelände des AKW Belene verbleiben, bis ein Abnehmer gefunden werden kann oder aber eine gegenläufige Entscheidung bei diesem zweifelhaften Projekt getroffen wird.

Die Regierung hat die Bulgarische Akademie der Wissenschaften (BAS) beauftragt, eine technische, ökonomische und finanzielle Analyse des Vorhabens zu erstellen. Nach Aussage des Energieministers sollen sich diese Analysen ausschließlich an marktwirtschaftlichen Gegebenheiten orientieren, ohne jegliche direkte oder auch nur indirekte Beteiligung der Politik, ohne Staatsgarantien und ohne langfristige Abnahmeverträge.

Eine Entscheidung zum AKW Belene würde nach dem Vorliegen des Resultates dieser Analysen getroffen.

Sollte das Resultat der Analysen negativ ausfallen, wolle die Regierung nach Wegen suchen, um die zwei ungenutzten Reaktoren zu verkaufen.

Im Dezember 2016 kam es zu Treffen zwischen dem Premierminister und Vertretern der China General Nuclear Corporation (CGN) sowie der Industrial and Commercial Bank of China. Nach diesen Treffen haben Vertreter der Regierung verlautbart, die chinesischen Großbetriebe hätten ihrer Bereitschaft Ausdruck verliehen, das Projekt zu den durch die bulgarische Regierung vorgegeben Bedingungen umsetzen zu wollen.

Bezüglich der von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften durchgeführten Analysen möchten wir in Erinnerung rufen, dass bulgarische Wissenschaftler der Akademie im Jahr 1990 massive Bedenken gegen die Errichtung des AKW Belene äußerten. Die Einwände wurden in einer 400 Seiten starken Studie, allgemein das „Weißbuch der bulgarischen Akademie der Wissenschaften“ genannt, publiziert.

Za Zemiata (Bulgarisches Kapitel von Friends of the Earth; Anm. d. Übers.) hat versucht, die Umweltverträglichkeitsprüfung des Projektes AKW Belene vor Gericht anzufechten. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, dass diese bereits seit 2004 abgeschlossen sei. Wenn wir erfolgreich sind, dann können wir die Wiederaufnahme des Projektes um einige wenige Jahre verzögern. Dazu benötigen wir die Unterstützung von Anwälten, Medien und diesem Vorstoß.

Nach unseren eigenen Untersuchungen ist eine Privatisierung des Projektes unter den von der Regierung gestellten Bedingungen unmöglich. Bei der Umsetzung eines Atomprojektes ist die Abklärung der Versicherung gegen die Atomgefahren der wichtigste Punkt.

Private Investoren werden mit Sicherheit die Übernahme des Sicherheitsrisikos durch den Staat fordern. Ohne Staatsgarantien und einer wie auch immer gearteten Form von Stromankaufsgarantie wird es schwer werden, einen Interessenten für die Umsetzung des Projektes AKW Belene zu finden.

Am 11. Januar hat das Parlament den Antrag der Opposition zurückgewiesen, den Beschluss zur Annullierung der Errichtung des AKW Belene am 29. März 2012 seinerseits rückgängig zu machen. Je nach Ergebnis der bevorstehenden Wahlen im März ist Druck zugunsten eines Neustarts des Projektes von Politikern und Lobbyisten zu erwarten; wir sollten darauf vorbereitet sein.

 

Die Laufzeitverlängerungen für Block 5 und 6 des AKW Kozloduy

Nach den letzten verfügbaren Nachrichten werden sich die Kosten für die Ermöglichung einer Laufzeitverlängerung der Blöcke 5 und 6 des AKW Kozloduy auf 220 Millionen Euro belaufen.

Die zwei Reaktoren werden zur Zeit nachgerüstet, um neue Betriebsgenehmigungen erhalten zu können. Die Betriebsbewilligung für Block 5 läuft im November 2017 aus. Eine Analyse des Zustandes der Anlage sowie Empfehlungen für Verbesserungen wurden bei der Atomaufsichtsbehörde eingereicht. Um eine neuerliche Betriebserlaubnis zu erhalten, müssen sämtliche Empfehlungen 2017 umgesetzt werden. Die Bewilligung von Block 6 erlischt im Oktober 2019. Derzeit laufen Erhebungen, welche Nachrüstungen nötig sind, um eine Laufzeitverlängerung zu gestatten.

Diese Nachrüstungsarbeiten finden in Kooperation mit der russischen Firma Rusatom Services statt, einem Teil des Atomkonzerns Rosatom.

Dem Energieminister zufolge wurden alle Investitionen für die Modernisierung vom Kraftwerksbesitzer getätigt. Wir versuchen mehr Informationen über die Parameter dieser technischen Verbesserungen zu erhalten, um diese von unabhängigen Experten analysieren und beurteilen zu lassen.

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Das Märchen von der Renaissance der Kernkraft

von Dr. George Kaschiev, 29.11.2016

Die Behauptung, es gäbe keinen Atomreaktor, der einen Verlust erwirtschaftet, ist unrichtig.

Mit den nachfolgenden Beispielen aus den letzten paar Jahren beweise ich diese Feststellung:

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In den USA wurden während der letzten vier Jahre sechs Reaktoren mit einer Kapazität von insgesamt 4730 MW frühzeitig stillgelegt. Es handelt sich um Crystal River 3, San Onofre 2 und 3, Kewaunee, Vermont Yankee und Fort Calhoun 1. Die ersten drei hätten umfassender Reparaturen bedurft und wurden dadurch unrentabel. Die anderen drei sind bereits heute nur mehr mit Verlust zu betreiben, bedingt durch niedrige Energiepreise, einen stagnierenden Strombedarf und infolge des niedrigen Elektrizitätspreises aus Gaskraftwerken. Aus all diesen Gründen könnten 15 – 20 Reaktoren bis 2025 abgeschaltet werden.

Aber auch in Europa ist mit Atomkraft kein Gewinn zu erzielen. Anfang 2013 wurde der Atomreaktor in Santa María de Garoña (466 MW) wegen drohenden Bankrotts stillgelegt. In Schweden sollen vier von zehn derzeit noch in Betrieb befindlichen Reaktoren vorzeitig abgeschaltet werden, da die Betreiber davon ausgehen, dass diese in absehbarer Zeit in die Verlustzone schlittern. Es handelt sich um Oskarshamn 1 (492 MW) und Oskarshamn 2 (661 MW), die für eine Schließung Mitte 2017 vorgesehen sind und um Ringhals 1 (916 MW) sowie Ringhals 2 (910 MW) von Vattenfall, die 2020 respektive 2019 vom Netz genommen werden sollen.

Gab es also seit dem Jahr 2000 eine Renaissance der Atomkraft?

Dem Wörterbuch zufolge bedeutet Renaissance ein Wiederaufleben, Blüte, einen Wiederanstieg. Tatsache ist aber, dass die Kernkraft nirgendwo auf der Welt floriert, dass nur vereinzelt einige Staaten aus sehr spezifischen Gründen weiterhin am Reaktorbau festhalten.

Entsprechend den Daten, die von der International Nuclear Energy Agency Ende 2000 erhoben wurden, waren 435 Atomreaktoren mit einer Gesamtkapazität von 350 GW in Betrieb. Im Vergleich dazu waren Ende 2015 441 Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 383 GW in Betrieb. Das bedeutet innerhalb von 15 Jahren einen vernachlässigbaren Zuwachs bei der Erzeugung von Atomstrom von lediglich 33 GW oder 9,4 %. Im Vergleich dazu ist in derselben Periode Ende 2015 die Produktion von Windstrom um fast 64 GW angewachsen, (das ist ein jährlicher Zuwachs von 17,2%) und erreicht somit 435,9 GW.

Atomstrom ist auf dem Rückzug.

Außerdem beinhaltet die Statistik der INEA (International Nuclear Energy Agency) für 2015 44 Reaktoren (die meisten davon in Japan), von denen aber nur zwei Strom produzieren: Sendai 1 und 2. Die restlichen Reaktoren sind nun schon seit Jahren außer Betrieb. Rechnet man also nur mit denjenigen Reaktoren, die auch tatsächlich Strom produzieren, dann ist klar, dass die Produktion der Kernkraft nicht zunimmt, sondern im Gegenteil abnimmt.
Dieser Schluss ist durch die folgenden Zahlen belegt: 2015 haben AKWs 2441,3 TWh Strom produziert, das ist weniger als im Jahr 2000 (2443,8 TWh). Analog dazu ist der Anteil von Atomstrom von 18% im Jahr 1996 auf wenig mehr als 12% im Jahr 2014 gefallen.

Im Jahr 2000 waren im Bereich der EU-28 169 Atomreaktoren in Betrieb, im Jahr 2015 ist diese Zahl auf 127 Reaktoren geschrumpft (bei einer Gesamtleistung von 121 GW, 27% der erzeugten Elektrizität). In dieser Zeit sind nur zwei Reaktoren ans Netz gegangen – Mohovce 1 und 2. Der Bau von gerade einmal vier neuen Reaktoren wurde in Angriff genommen. Die Bauvorhaben waren von Verzögerungen (der Rückstand im Baufortschritt betrug bis zu 10 Jahre) und gewaltigen Beschaffungskosten (4900 – 6200 Euro pro KW Leistung) geprägt. Dies zeigt, dass sich die Atomenergie in der EU in einem massiven Abschwung befindet, keinesfalls aber in einer Renaissance. Diese Renaissance ist für die absehbare Zukunft auch nicht zu erwarten. Frankreich hat beispielsweise beschlossen, die Atomenergie auf die aktuelle Leistung von 63,2 GW zu beschränken, wobei der Anteil von Atomstrom von heute 76,3% bereits 2025 auf 50% vermindert werden soll.

Prognosen der Europäischen Kommission (Nuclear Illustrative Programme, PINC) vom April 2016 gehen von einer Verringerung der Reaktorleistung im Jahr 2050 auf 95 – 105 GW aus, wobei der Anteil von Atomenergie auf 17 – 21% fallen würde. Idealerweise sollten alle Politiker dieses Dokument lesen, aber leider ist dies eher unwahrscheinlich.

Nach dem Jahr 2000 wurden in den USA 6 Reaktoren stillgelegt und nur ein einziger neuer ging ans Netz, was denselben Trend anzeigt – es ist keine Renaissance, sondern ein Rückgang der Atomenergie festzustellen. Derzeit sind 99 Reaktoren in den USA in Betrieb mit einer Gesamtleistung von 99 GW, was knapp 20% der Stromproduktion bedeutet. 2013 wurde der Bau von vier Reaktoren begonnen, wobei es bereits fast drei Jahre Bauverzögerung gibt und eine Kosteneskalation auf über 5500 US$ pro KW. Es vorhersehbarer Zukunft sind keine weiteren Reaktorneubauten geplant.

Die Vorschau der US Energy Information Agency von 2016 zeigt, dass es auch zu keinem neuen Aufschwung der Atomenergie kommen wird: Im Jahr 2040 wird die Kapazität der Reaktoren auf gleichem Niveau liegen wie heute, um die 99 GW. Die Leistung der gasbetriebenen Kraftwerke wird aber um das 1,5 fache steigen (von heute 202,3 GW auf ca 318,7 GW).
Aus ganz speziellen Gründen wird der Reaktorbau in China, Russland und Indien weiterhin fortgesetzt (das betrifft die Hälfte aller zur Zeit in Bau und in Betrieb befindlichen Reaktoren) sowie in Korea und Pakistan.

China ist eine der mächtigsten und eine am schnellsten wachsende Wirtschaftsmacht der Erde. Um den Strombedarf zu befriedigen, wurden viele Wärmekraftanlagen errichtet, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, hauptsächlich mit Kohle. Kohlekraftwerke produzierten 2015 73% der Elektrizität im Land. Diese Strategie hat zu einer erheblichen Luftverschmutzung geführt, China wurde zum größten Umweltverschmutzer der Welt. Dies machte den Bau von AKWs und Erneuerbaren unabdingbar. Derzeit sind in China 36 Atomreaktoren in Betrieb (mit einer Gesamtleistung von 31,4 GW) und 20 neue Reaktoren in Bau (mit einer Gesamtleistung von 20,5 GW). Bemerkenswert ist aber, dass China bei der Erschließung von erneuerbaren Energien führend ist, insbesondere bei der Windkraft mit einer Gesamtleistung von 148 GW Ende 2015. Kürzlich wurden zwei neue Kraftwerke mit einer Leistung von 34 GW ans Netz gebracht.

Russland bleibt auch weiterhin hartnäckig ein Befürworter der Kernenergie, was wohl der Grund für die atomkraftfreundliche Haltung der Politiker ist. Derzeit sind in Russland 36
Reaktoren in Betrieb (mit einer Gesamtleistung von 26,6 GW) und 7 neue Reaktoren sind in Bau (5,5 GW). Russlands ehrgeiziges Ausbauprogramm der Kernenergie wurde aber bereits mehrfach deutlich abgeschwächt. Die letzte dieser Anpassungen geschah im August 2016 mit der Annahme eines Plans, der den Baubeginn von 11 neuen Atomreaktoren bis 2030 vorsieht (im Gegensatz zu 21 Reaktoren, wie es noch 2013 vorgesehen war). Ein führender Beamter erklärte aus diesem Anlass, dass „wir keine AKWs bauen werden, die sich dann als unnötig erweisen“.

Das Beispiel von Vietnam ist für Bulgarien besonders lehrreich. Die Wirtschaft Vietnams wächst sehr rasch (6% jährlich). Zusammen mit Russland und Japan hat Vietnam den Bau von zwei Kraftwerken mit jeweils zwei 1000 MW Reaktorblöcken geplant. Bedingt durch den anhaltend niederen Gaspreis, durch das Potential der Erneuerbaren und deren fallenden Gestehungskosten, den nur halb so stark ansteigenden Stromverbrauch und die enormen Kosten beim Bau von AKWs billigte das Parlament am 22 November 2016 den Vorschlag der Regierung, den Bau dieser zwei Atomkraftwerke zu stornieren.

 

Dr. George Kaschiev ist Kernphysiker. Er arbeitet als wissenschaftlicher Berater am Institut für Risikoforschung der Universität Wien. Er war Betreuer der Orte auf der Fifth von NPP „Kosloduj“ im Zeitraum 1972-1989 hat an der Technischen Universität gelehrt und war Teil der amerikanischen Firma „Westinghouse“. Kaschiev ist Professor für Kernreaktoren am Tokyo Institute of Technology. Er war Vorsitzender des Ausschusses für die Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecke, die später in eine Nuclear Regulatory Agency umgewandelt wurde.

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Neuer Folder „Nuclear-free future for the Belene site“(engl.)

von Todor Todorov (Za Zemiata)


 

Die wichtigsten Punkte der Belene-Debatte in Sofia vom 27.Sept. 2016:

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1.    Belene ist wegen der festgestellten höheren Erdbebengefahr für ein AKW ungeeignet.
2.    Die Regierung muss eine Entscheidung treffen, dass das Gelände von den Vermögenswerten von NEC (National Electric Company) geräumt werden kann.
3.    Es kam die innovative Idee auf, dass das Gelände wirtschaftlich genützt werden könnte – mit Einbeziehung von Svishtov, Belene und Nikopol.
4.    Es gab den Vorschlag, eine Bürger-Kommission einzurichten, um die illegalen Machenschaften und die schuldigen Personen aufzuzeigen. Diese Idee kam in der Debatte deshalb auf, weil die Bulgarischen Behörden die Untersuchung an der Staatsgelder-Verschwendung kurzfristig beendeten, dann aber wieder eröffneten. Diesmal werden jedoch nicht  die Beamten untersucht, sondern nur die offiziellen Personen der Nationalen Elektrizitätsgesellschaft (NEC).

Eine von Bürgern eingesetzte Kommission kann natürlich nicht die Staatsgelder zurückbringen,  aber sehr wohl kann sie Dokumente und Zeugen für die Korruptionsvorgänge rund um Belene finden, und so auf die staatlichen Institutionen Druck ausüben,  dass sie ihren Job machen.

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(entnommen aus Emails von Todor Todorov, zusammengestellt von Paula Stegmüller)


 

OFFENER BRIEF

von Za Zemiata, Juni 2016

AKW Belene – ein Pool von Korruption oder eine Chance für eine atomwaffenfreie Entwicklung?

Oder eine Geschichte über schlechtes Gewissen und Frechheit

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Die Entscheidung des Schiedsgerichts bei der Internationalen Handelskammer in Bezug auf die Klage zwischen NEC (NEC = National Electricity Company) und Atomstroyexport für die Aussetzung des Baus des KKW Belene ist nun eine Tatsache. Das Ergebnis war wie erwartet, wenngleich auch verzögert. Mit anderen Worten: NEC (NEC = National Electricity Company) wird mehr als 1 Milliarde BGN für die Lieferung der bestellten Ausrüstung an Russland zu zahlen haben. Nach dem Prinzip „es gibt keinen Rauch ohne Feuer..“ starteten die Medien einen Angriff auf die bulgarischen Interessen im Energiesektor zugunsten der russischen Interessen.

Herr Parvanov , Herr R. Ovcharov und verschiedene andere „Experten“ erklärten ganz schamlos, dass es der richtige Moment war, das AKW Belene zu bauen und welch eine günstige Wirkung es auf die bulgarische Wirtschaft haben würde. Es muss daran erinnert werden, dass Rosatom mehrere Jahre hindurch den Preis für den Bau des AKW Belene von 3,9 Milliarden Euro auf 10 Milliarden Euro erhöht hat.

Welchen Gewinn hat unser Land tatsächlich?

In der Tat hat sich die Idee eines neuen KKW in Belene von Anfang bar jedes gesunden Menschenverstands und für unser Land völlig unnötig erwiesen. Bereits 1990 gab ein Team von Wissenschaftlern der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften im sogenannten „Weiß-Buch“ folgenden Stellungnahme ab:

Von einem energetischen, wirtschaftlichen, technischen , seismischen, ökologischen und sozialen Standpunkt aus ist die Konstruktion schlecht begründet und nicht akzeptabel.“

Wieder und wieder warnte Za Zamiata mehrere Regierungen hindurch davor, dass ein noch nie dagewesener Diebstahl von Staatsgeldern im Gange ist, der von einer Gruppe von Politikern und Beratern zugunsten der russischen Energielobby gesteuert wird.

Im Jahr 2009 begann die Staatsanwaltschaft und die Staatliche Agentur für nationale Sicherheit eine Untersuchung des Betrugs, aber es gab keine Ergebnisse.

Mehr als 2 Milliarden BGN wurden aus dem Staatshaushalt für die Beschaffung von Ausrüstung ohne eine Auftragsvergabe für ´Berichte`, ´Analysen‘, ´Studien‘ und den Bau eines Informationszentrums ausgegeben. Einer der skandalösesten Haushaltsposten des Projekts ist die Aufwendung für Beratungsleistungen in Höhe von 210 Millionen Euro! Eine besonders große Ausgabe waren die 203 Millionen Euro für Beratungsleistung von Worley Parson, die nicht imstande waren, öffentliche Ergebnisse zu erzielen. Nach Einschätzung von Experten kann ein Bericht über ein Projekt, das nicht einmal noch begonnen hat, nicht mehr als 2 Millionen Euro kosten.

Unter Berücksichtigung des Umfangs der ´genutzten´ Geldsummen und aufgrund der Tatsache, dass keine Strafverfolgung gestartet wurde, ist es völlig verständlich, dass dieselben Personen sich nun in demselben Raub-Schema betätigen wollen.

Seit Jahren haben wir offizielle Beweise erbracht, dass in Bulgarien mehr Anlagen zur Energieerzeugung zur Verfügung stehen als das Land tatsächlich benötigt.

 

Die verfügbaren Daten für dieses Jahr zeigen, dass sich von Anfang des Jahres bis zum 5. Mai die Ausfuhr von Energie mehr als halbiert hat , das heißt, der Überschuss der erzeugten Energie kann nicht exportiert werden. Statt die Energieeffizienz zu fördern, sprechen die Regierungsvertreter trotzdem von neuen Energie-Anlagen und davon, alle veralteten Anlagen zu halten. Dies steht in Widerspruch zum europäischen und weltweiten Trend zu sauberer und effizienter Energie.

Za Zemiata, Todor Todorov, Energy and Climate Coordinator, veröffentlicht in:

http://zazemiata.org/v1/Novini-CHetene.369.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=334&cHash=ab8aa8d2d596a2d69f6b3987bdc6932f

http://forthenature.org/news/3651

https://greentech.bg/archives/66800

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8.1.2016, Todor Draganov Todorov

AKW Kozloduy

AKW Kozloduy

 

Bulgarische Regierung sucht Investor für den Bau des 7. Reaktors im Atomkraftwerk Kozloduy

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Nach dem Besuch des bulgarischen Ministerpräsidenten in China Ende November kam die Nachricht, dass er einem chinesischen Unternehmen vorgeschlagen hat, die Möglichkeiten zum Bau des 7. Blocks im AKW Kozloduy zu überprüfen.

Mitte Dezember holten der Vizepremier Donchev und die Energieministerin Petkova Vertreter der chinesischen staatlichen Gesellschaft SNPTC in das AKW Kozloduy, damit sie sich mit der Baustelle des Kraftwerks vor Ort vertraut machen. Diese Gesellschaft ist einer der drei Betreiber von Atomkraft in China und ist der wichtigste Partner von Westinghouse. Hierzulande beabsichtigt die Gesellschaft sich am Projekt mit der Investitionsniederlassung der Gruppe zu beteiligen.

Der Vizepremier Donchev erklärte, dass die Regierung vorgeschlagen hat, dass das Projekt ohne bulgarische Finanzierung zustande kommt und ein großer Teil der Mittel sind vom strategischen Investor zu gewährleisten, ohne Staatsgarantie. Ihm zufolge aber ist es nicht ausgeschlossen, dass der Staat einen Anteil besitzt, der eher Minderheitsanteil sein wird. „Immerhin wird die Leistung auf einer Baustelle aufgebaut, die Staatseigentum ist. Wir haben einen Grund, einen Anspruch auf einen Anteil an diesem Projekt zu erheben“, so Donchev.

Eine Arbeitsgruppe mit den Vertretern des potentiellen Investors wurde gebildet. Der Zweck der Verhandlungen ist es, das Wirtschaftsmodell, auf dem die Investition verwirklicht wird, zu klären. Die Hauptfrage ist, ob die chinesische Gesellschaft eine Minderheits- oder Mehrheitsbeteiligung am Projekt hat.

Der Arbeitsgruppe ist eine Frist bis April 2016 gesetzt, um eine Stellungnahme abzugeben, ob der 7. Block des AKW „Kozloduy“ von der chinesischen Gesellschaft gebaut wird.

Der Vizepremier Donchev bestätigte, dass er von der Analyse der Arbeitsgruppe einige Varianten erwartet, die der bulgarischen Regierung zur Auswahl stehen.

Natürlich steht unserer Meinung nach eine andere Frage im Raum, nämlich, ob es überhaupt eine realistische Variante gibt oder Kozloduy 7 das Korruptionsschema des „Baus“ der AKW Belene mit der Anzapfung des Staatshaushalts wiederholt.

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26.11.2015, Genady Kondarev

Postkarte aus Tschernobyl

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Kurz vor dem 29. Jahrestag der Katastrophe in Tschernobyl hatte ich die Möglichkeit eine der immer aktueller werdenden touristischen Rundreisen in Tschernobyl zu machen.

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Diese organisierten Expeditionen holen Touristen aus Kiew (Ukraine) in die Evakuierungszone – die in ein eigenartiges Nuklear-Disneyland verwandelt ist. Ich bezahlte 60 Euro für eines der deprimierendsten Erlebnisse in meinem Leben. Ich stieß auf seltsame Versuche und Hoffnungen, dass die Sperrzone bald wieder bewohnbar sein wird und die Leute zurückkehren werden können. Sogar jetzt gibt es ungefähr 2000 Menschen, die dort wohnen. Trotz der Sicherheitsmaßnahmen im Gebiet sind alte Menschen in ihre Wohnungen zurückgekehrt, weil sie sich dort, wo sie nach der Evakuierung ausgesiedelt wurden, als Fremde fühlten. Die Annahme ist, dass die Krebserkrankungen im Organismus der älteren Leute sich viel langsamer entwickeln, wohingegen sich die Mutationen in einem jüngeren Körper sehr schnell und tödlich entwickeln. Immer noch besteht in der Sperrzone das Verbot, dass junge Leute und Schwangere dort wohnen. Das muss über viele Jahrhunderte in der Zukunft so bleiben. Ich war überrascht, dass ich so viele Ukrainer kennenlernte, die die Folgen erlitten und ihre Verwandten verloren hatten, aber immer noch glauben, dass es keine Alternative zur Kernenergie gibt.
Wir besuchten die menschenlose Stadt Pripjat und das Kraftwerk von Tschernobyl, das, es scheint mir, niemals unter Kontrolle gebracht wird. Unsere Reiseführer versuchten uns zu versichern, dass die Natur wild ist und blüht und dass die Wildtiere dieses menschenlose Königreich erobert hatten. Die Geschichte aber ergab keinen Sinn wegen der Fälle der mutierten Pflanzen, auf die wir stießen und daneben einen Fuchs in Pripjat, der an einer unbekannten Krankheit litt, die vermutlich auch eine Mutation war.
Der Tag unseres Besuchs und der 29. Jahrestag der Katastrophe stimmten mit dem orthodoxen Tag der Allerheiligen überein. Der Zugang zur Sperrzone erfolgte unter reduzierten Sicherheitsmaßnahmen und jemand setzte die trockenen Felder um das Atomkraftwerk in Brand. Dies passierte in der Nähe eines Friedhofs. Offensichtlich handelte es sich hier um eine Brandstiftung, weil es an mehr als drei Stellen brannte. Wir waren in Kiew mit einem Geigerzähler in der Hand, um von der Massenhysterie, die auszubrechen drohte, nicht ergriffen zu werden. Nicht dass es keinen Grund zur Sorge gab – die radioaktiven Isotopen breiten sich in der Luft bei jedem Waldbrand nach dem Ausbruch aus und halten den Geist der radioaktiven Gefahr lebendig und dabei fordert er viele Opfer. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand so dumm sein könnte, die Felder um das Kraftwerk in Brand zu setzen. Dieser Wahnsinn könnte auf verschiedenen Gründen basieren – dabei ist nicht auszuschließen, dass die Ukraine im Krieg mit Russland war (und immer noch ist).
Ich hatte Mitleid mit diesem schönen Land und diesen wunderbaren Menschen, die dort wohnen. Als Bulgare fühle ich die Ukrainer und ihre Probleme sehr nahe. Das Land verfügt über das erforderliche Potenzial zur Entwicklung einer umweltfreundlichen Energie, aber die zentralisierte und oligarchische Art der Politikgestaltung in Kombination mit dem Erbe des Kommunismus und dem ständigen Eingriff seitens des Kremls, damit die Abhängigkeit des Landes von den russischen Energieressourcen beibehalten wird, verhindern jeden Versuch für eine andere Zukunft.
Als ich aus Tschernobyl zurückkam, fühlte ich mich wochenlang deprimiert und mein Immunsystem war auf eine ungewöhnliche Art und Weise zerstört. Ich war ein bisschen krank – so wie eine Grippe, aber dies dauerte einige Wochen. Üblicherweise wenn ich krank bin, werde ich sehr schnell wieder gesund. Ich habe keine Ahnung, ob das an meiner emotionalen Belastung, die ich infolge des Besuchs hatte, lag oder sogar an den Strahlungsniveaus, die wir erlebten.
Ich biete allen, die sich für das Thema interessieren, an, mein Fotoalbum mit Information auf Englisch und auf Bulgarisch in meinem Facebook- Profil anzusehen – es ist öffentlich zugänglich und besteht sich aus den aussagekräftigen Bildern, die ich während dieser Tour gemacht hatte:

https://www.facebook.com/genady.kondarev/media_set?set=a.10153270060287082.1073741826.669797081&type=3

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Todor Todorov („Za Zemiata“/Friends of the Earth-Bulgaria)

E-mail: t.todorov@zazemiata.org

Filmvorführung über Tschernobyl und die Kernreaktoren in der Ukraine

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Am 15.10.2015 im Club des Reisenden organisierten wir, der Umweltschutzverband Za Zemiata, eine Vorführung des Films „The End“ über die Kernreaktoren in der Ukraine. Der Film gehört dem internationalen Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen – CEE Bankwatch. Za Zemiata ist ein Mitglied dieses Netzwerkes seit mehr als 10 Jahren. Eines der wichtigsten Probleme, das im Film behandelt wird, ist die Gefahr von der Laufzeitverlängerung der Kernreaktoren in der Ukraine. Der Krieg in der Ukraine ist in unmittelbarer Nähe zu den Kernreaktoren. Das Land besitzt 15 alternde Reaktoren aus der Zeit der Sowjetunion. Bis 2020 werden 12 Reaktoren das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. In einem durch Korruption zerrissenen Land wurde ihre Laufzeit durch EU-Mittel verlängert. Und das ohne Rücksicht auf die Sicherheitsmaßnahmen, internationale Übereinkommen oder Landesgesetze. Die Ukraine müsste sich mit ihren Nachbarländern beraten, bevor sie die Laufzeitverlängerung der Kernreaktoren vornimmt. Stattdessen versucht das Land alle Gesetze, die mit der Kernenergie zusammenhängen, zu umgehen.

Von besonderem Interesse für die Zuschauer waren die Filmszenen, die in Tschernobyl Ende April dieses Jahr aufgenommen wurden. In der Aktivistengruppe, die Tschernobyl besucht hatte, war auch Genadi Kondarev, Vertreter unseres Verbands Za Zemiata.

Nach der Filmvorführung führten wir mit den Zuschauern ein Gespräch über die Laufzeitverlängerung der Kernreaktoren – ein Dilemma, vor dem auch wir in Bulgarien mit dem Kernkraftwerk Kozloduy – Blöcke 5 und 6 stehen.

Herr Todor Todorov vom Verband Za Zemiata sprach über die Gefahren von der Laufzeitverlängerung der alten Kernreaktoren in Kozloduy, sowie über die wirtschaftliche Unzweckmäßigkeit dieser Entscheidung. In Bulgarien produziert man schon seit Jahren 40% mehr Strom, als verbraucht wird und der Exportmarkt schrumpft immer mehr.

Interessant war auch die Diskussion über die Einstellung des Baus der Brennstofffabrik in der Ukraine. Der Bau begann noch im Jahre 2012, zusammen mit der russischen Gesellschaft TVEL. Es gibt keinen Vertrieb der Produktion dieser Fabriken, weil immer mehr Länder es ablehnen, die Kernenergie zu entwickeln.

Das größte Interesse rief die Erzählung von Genadi Kondarev über den Besuch der Gruppe in Tschernobyl hervor und die Filmszenen mit den realen Anzeigen der Dosimeter in den verschiedenen Hotspots in der Gegend des Reaktorunfalls vom Jahre 1986.

Die Zuschauer waren sehr beeindruckt vom Film und beteiligten sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft der Kernenergie in Bulgarien und Europa.

Za Zemiata_film The End

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September 2015, Todor Todorov

Übersicht der Entwicklung der Projekte für den Bau neuer Kernreaktoren in Bulgarien in Belene und im Kernkraftwerk Kozloduy – 7

 

Das Projekt für den Aufbau eines neuen Kernkraftwerkes in Belene sah vor, dass es vom russischen Unternehmen Atomstroyeksport errichtet wird und dass es mit russischen Reaktoren WWER betrieben wird.

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Seit Oktober 2014 kam in Bulgarien eine neue rechtsorientierte Koalitionsregierung an die Macht. Dieselben Regierungsparteien initiierten in der vorherigen Regierungsperiode die Beendigung des Projekts des Kernkraftwerks Belene im März 2012, sowie seine Ersetzung durch einen Bau eines neuen Reaktors am Standort des Kernkraftwerks Kozloduy. Eine der kleinen Parteien (linksorientierte ABV), die die Regierung unterstützt, besteht weiterhin auf der Erneuerung des Projekts Kernkraftwerk – Belene.

Die Verluste Bulgariens, die von der pro-russischen Atomlobby verursacht wurden, die jahrelang den Landeshaushalt durch den Betrug über den Aufbau eines neuen Kernkraftwerks in Belene anzapfte, betragen über 1 Mio. Euro. Das Geld wurde in Form von Beratungsverträgen, Untersuchungsberichten und Analysen, Aufträgen von unnötigen Anlagen im Zeitraum von 2003 – 2012 angezapft. In dieser Zeitspanne stieg der offizielle Preis des Kernkraftwerksbaus von 4 Mrd. USD auf 10 Mrd. USD.

Gemäß dem Gesetz über den Zugang zur Gesellschaftsinformation verlangte „Für die Erde“*) eine Auskunft vom Finanzministerium darüber, wieviel Geld für das Projekt Kernkraftwerk Belene seit seiner offiziellen Beendigung (März 2012) bis jetzt ausgegeben wurde. Diese Information wurde uns nicht zur Verfügung gestellt und am 5. Oktober 2015 hat das Verwaltungsgericht ein Urteil für das von uns gegen das Finanzministerium eingeleitete Verfahren über stillschweigende Informationsverweigerung zu sprechen.

Kozloduy-7 wurde im Jahre 2013 aktuell, als der damalige Energieminister Stoynev nach einem Besuch in den USA überraschenderweise erklärte, dass er einen Reaktor von Westinghouse für das Kernkraftwerk „ausgewählt“ hat. Eine Vorvereinbarung wurde mit der Gesellschaft unterschrieben, vorbehaltlich, dass sie durch die nachfolgende bulgarische Regierung bestätigt wird.

Das Projekt für den Bau eines neuen amerikanischen Reaktors am Standort des Kernkraftwerks Kozloduy 7 sieht vor, dass es von Westinghouse ausgeführt wird. Nach der Gesellschaft, die zur Auftragnehmerin ausgewählt wurde, beträgt der Preis des Baus des neuen Reaktors 7 Mrd. USD. Die gegenwärtige Regierung unterstützt die Idee von Kozloduy 7, aber wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise im Land hat sie keine Möglichkeit, dies zu finanzieren. Sie sucht nach einem Investor, der frisches Geld“ injiziert, ohne dass Kosten vom Landeshaushalt notwendig sind. Der Vorschlag, der an Westinghouse im April 2015 gemacht wurde, lautet, dass sie sich als Investorin am Aufbau beteiligt und dagegen erhält die Gesellschaft 49 % (?) vom Kernkraftwerk.

Westinghouse lehnte den Vorschlag ab, weil die Gesellschaft eine Herstellerin von Anlagen ist und keine Investorin von Kernkraftwerken. Ein anderes Problem ist, dass wenn ein Hersteller von Anlagen zum Investor wird, würde es zu einem offensichtlichen Interessenkonflikt kommen.

Diese Absage ist auch der Grund für die Einstellung des Projekts für den Aufbau eines neuen Reaktors Kozolduy 7 bis ein äußerer Investor gefunden wird.

Bis jetzt gibt es in Bulgarien keine wirtschaftliche Expertenanalyse, die die Notwendigkeit eines neuen Kernkraftwerkes beweist. Deswegen versuchen die bulgarischen Regierungen schon jahrelang politische Entscheidungen zu treffen, die ihnen von der Kernkraft-Lobby aufdiktiert worden sind.

*) ZA ZEMIATA = FÜR DIE ERDE ist eine unabhängige Nichtregierungsorganisation, ein Teil von „Freunden der Erde“ (Friends of the Earth) und Mitglied der internationalen Organisationen CEE Bankwatch Network (Netzwerk für die Überwachung der internationalen Finanzinstitutionen in Mittel- und Osteuropa), ZWE (Zero Waste Europe), GAIA (Globale Allianz für Müllverbrennungsalternativen), sowie der nationalen Koalitionen “Damit Natur in Bulgarien bleibt”, “Bulgarische Anti-Kernkraftbewegung“, „Bulgarien ohne Cyanide“, „Koalition über nachhaltige Nutzung der EU – Mittel“ und Koalition für das Klima – Bulgarien.

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14.09.2015, Todor Todorov („Za Zemiata“/Friends of the Earth-Bulgaria)

Perspektiven für den Energiemarkt in Bulgarien

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1. Zur Zeit wird der bulgarische Strom- und Gasmarkt staatlich reguliert. Das bringt mit sich alle Nachteile aus der Vergangenheit – politische Steuerung, starke Korruption, Abhängigkeit von externen globalen Akteuren, Gebundenheit an die alte, „klassische“ Energieherstellung und Feindlichkeit gegenüber der Effizienz der sauberen Energietechnologien, wirtschaftliche Ineffizienz und daher Intransparenz für die Kunden, und schließlich – die unmittelbare Gefahr einer weiteren Dekapitalisierung und eines Zusammenbruchs. Auf Grund dieser Nachteile ist der Markt eine Mischung aus administrativen Steuerungen und Pseudomarktverhältnissen anstatt von realen, freien, fairen und für alle Teilnehmer günstigen Beziehungen.

2. Die Sensibilität für externe – politische und geopolitische – Signale und Faktoren macht den Sektor unberechenbar und die messbaren Prognosen problematisch. Daher sind verschiedene, von vielen Faktoren abhängige Hypothesen und Entwicklungsstrategien zu berücksichtigen, aber auf diese Weise wird die Wahl der besten realistischen Möglichkeit unmöglich. Nur eine starke Regierung könnte das Risiko tragen, eine angemessene Strategie zu erarbeiten und zu verfolgen, die auf den aktuellen, vom Land tragbaren Trends, auf dem Umweltschutz und den Klimawandelzielen basiert.

3. Momentan ist die Entwicklung des Energiemarkts in Bulgarien objektiv unprognostizierbar, sofern eine Liberalisierung bevorsteht, für die jedoch keine Bereitschaft vorliegt. Das System ist dekapitalisiert und am Rande eines Zusammenbruchs, benutzt werden Steuerungsmethoden, auch seitens der Regierung gegenüber der „unabhängigen“ Regulierungsbehörde zwecks Niederhaltung der Preise aus populistischen Gründen.

Mehrere Entwicklungslinien sind möglich; die wahrscheinlichste führt zu einem erweiterten Pseudomarkt, in dem für die Kleinkunden noch eine gewisse Zeit geregelte („soziale“) Preise gelten. Es wird versteckte sowie offene Hindernisse für eine flächendeckende Benutzung von Wasserkraftwerken und „smart grids“-Technologien geben, zum Teil auch wegen der langsamen Erholung der Wirtschaft. Die Bestrebungen werden der Erhaltung des Status-quo gelten, wenn auch in Form einer „Marktunterstützung“. Letztendlich werden die Energiepreise steigen, damit das System überhaupt aufrechterhalten werden kann, ohne dass die notwenigen radikalen Reformen unternommen werden.

Diese Entwicklungslinie weist zwei Hauptprobleme auf:

• einmal befreit, können die Marktverhältnisse kaum in Pseudomarktmechanismen gefesselt bleiben, besonders bei einer engeren regionalen Einbindung;

• im Spiel „Wandel ohne Veränderungen“ steckt die ständige Gefahr eines Systemzusammenbruchs mit katastrophalen Folgen, der aber der entscheidende Wendepunkt für eine umfassende und radikale Reform des Sektors sein könnte.

4. Auch in der Gas-Branche stecken viele Unbekannte, die eine Prognose, ob und wann reale Marktverhältnisse möglich sind, erschweren. An erster Stelle – der Druck Russlands für den Bau von „South Stream“ und das Monopol auf Gaslieferung und -preisen in Bulgarien und ganz Südosteuropa. Ein Teil dieses Problems ist auch der Bau von Verbindungen zu den Gaslieferungsnetzen der Nachbarländer sowie die Gaslieferung von anderen Lieferanten über diese Netze. An zweiter Stelle geht es um die Erweiterung der Gasversorgung für die Haushalte (Kleinkunden) und der Kraft-Wärme-Kopplungen, die zwei wichtigsten Faktoren für die aktuelle Entwicklung der Gasbranche. An dritter Stelle kommt auch die Ungewissheit bezüglich der Erdöl- und Erdgasforschungen im Schwarzen Meer. An vierter Stelle – wie lange wird das Schiefergasverbot gelten. An fünfter Stelle kommt die Frage nach der Entwicklung der Biogasproduktion, die sich für einige ländliche Gebiete in Bulgarien als eine wichtige Quelle erweisen könnte.

Der Umgang mit diesen Problemen wird für die Entwicklung der Gasbranche bestimmend sein – auch für die Frage, ob ein Gasmarkt überhaupt entsteht oder nicht.

5. Die Berücksichtigung all dieser Entwicklungen lässt schließen, dass ohne radikale Reformen die Entstehung eines realen Strom- und Gasmarkts in Bulgarien in den kommenden 5-10 Jahren wenig wahrscheinlich ist.

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